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17. - 19.05.2019 21. internationale Rettungshundegroßeinsatzübung Ljubljana (Slowenien)

Bei der alljährlich stattfindenden Großeinsatzübung im slowenischen Ljubljana soll unter einem strengen Reglement und engem Zeitrahmen die Einsatzfähigkeit der angereisten Rettungshundeteams festgestellt werden.

Für die Teams dürfen je drei Hundeführer und ein Betreuer antreten.

Es gilt, in einem fiktiven Szenario, möglichst viele vermisste Personen in unterschiedlichen Gebieten zu finden, ebenso werden alle, für die Hundeführer unerlässlichen, Fähigkeiten geprüft und bewertet.

So kommen zu der Ortung der vermissten Personen noch Orientierung mit Karte, Kompass und GPS Geräten, Einsatztaktik, Erste Hilfe und Kletter/ Seiltechniken hinzu.

Für die aus ganz Europa angereisten Teams bedeutet dies, ein Verlassen der Komfortzone, 24 Stunden Einsatzzeit und unbekannte Herausforderungen.

Mit diesen Informationen und großer Freude auf die Herausforderungen brach unser Team der Rettungshundebereitschaft des DRK KV Nürtingen/Kirchheim am 17.05.19 Richtung Slowenien/Ljubljana auf.

Mit dabei Teamleader Silke Voigt da Silva mit Canito, Stephanie Kirsch mit Choco, Lars Wacker mit Bailey und Jannik Jahn als Betreuer.

Nach dem Eintreffen an der Base of Operations war noch genug Zeit für Aufbau und Einrichten unseres Zeltes, bevor es Zeit wurde für das Teamleadermeeting, die tierärztliche Kontrolle sowie einen Verhaltenstest gegenüber fremden Personen.

Beim Teamleadermeeting wurde dann auch das Szenario für den Einsatz bekannt gegeben:

Ljubljana und die nähergelegene Region wurden von einem Erdbeben der Stärke 8-9 getroffen, ein Großteil der Gebäude wurde zerstört und Straßen sind teilweise nicht befahrbar wodurch auf alternative Transportmittel und Fußmärsche zurückgegriffen werden muss. Viele Menschen sind verletzt und einige noch vermisst. 4.000 Menschen sind tot, 50.000 Menschen sind obdachlos. Einsatzbeginn: Sofort!

Trotz der Ankündigung des sofortigen Einsatzbeginns, blieb noch genug Zeit um Kameraden aus den anderen Teams kennen zu lernen, das benötigte Einsatzgepäck zusammenzustellen und ein paar Stunden zu schlafen.

Unser erster Einsatz begann am nächsten Morgen. Mit einem Transporter der Feuerwehr Ljubljana wurden wir zu einem Kanal in der Innenstadt gebracht. Die Aufgabe bestand darin, den Kanal mithilfe von Seiltechniken mit Gepäck und Hunden innerhalb von 20 Minuten zu überqueren. Nach Abschluss dieser Aufgabe (mit trockenen Füßen) erwartete uns auf der anderen Seite ein Boot, welches uns eine weitere Strecke in Richtung Einsatzort brachte. Wir konnten auf dieser kurzen Bootsfahrt einen kleinen Eindruck von der schönen Stadt gewinnen, realisierten dabei aber wie wichtig in einem solchen Szenario alternative Fortbewegungsmittel sind, da kleine Gassen schnell unpassierbar werden. Die letzten 4 km zum Suchgebiet mussten wir zu Fuß zurücklegen. Hierbei wurde zum ersten mal unsere Fähigkeit, uns mit Karte und Kompass zu orientieren, abgefragt.

Der Marsch führte uns zu einer stillgelegten Fabrik, die sich im Gebiet des Eisenbahn Museums von Ljubljana befand. Es galt, eine unbekannte Anzahl von vermissten Mitarbeitern innerhalb der Fabrik zu finden und diese direkt sanitätsdienstlich zu versorgen. Aufgrund der Gefahrenlage und befürchteter Nachbeben durften wir das Gebäude nicht betreten und unsere Hunde durften zeigen, wie sie selbstständig sie arbeiten können.

Innerhalb des Gebäudes orteten wir eine Person mit einem offenen Oberarmbruch und konnten diese trotz begrenztem Material gut versorgen.

Nachdem wir so drei Stationen des Einsatzes an einem Stück abgearbeitet hatten, wurden wir zurück ins Camp gebracht um dort auf den nächsten Einsatz zu warten.

Beide folgenden Einsätze fanden auf Firmengeländen statt, in den Gebieten konnten wir jeweils eine Person aufspüren.

Obwohl wir gehofft hatten, mit unseren auf Fläche spezialisierten Hunden möglichst früh in den Wald zu kommen, wurde uns dieser Wunsch erst in der vierten und fünften Suche erfüllt.

Nach dem Transport in ein etwas weiter entferntes Gebiet, musste mithilfe von GPS Geräten ein sehr großes und unwegsames und steiles Waldstück abgesucht werden, auch hier fanden wir eine Person. Da aufgrund des Geländes nicht alle unsere Hundeführer rechtzeitig am Ende des Suchgebietes eingetroffen sind, wurden uns bei der kommenden Suche 5 Minuten Suchzeit gestrichen. So starteten wir mit nur 15 Minuten auf der Uhr in eine Wegesuche von ca. 700m Länge und 80m Breite, wobei nur die Hunde den Weg verlassen durften, um den Wald abzusuchen. Trotz der Zeitstrafe konnten wir eine Person finden.

Nach kurzer Pause im Camp bekamen wir den Auftrag, in einem nahegelegenen Trümmergelände nach einer vermissten Person zu suchen, allerdings musste jeder Fund von mindestem einem zweiten Hund bestätigt werden.

Das Gelände konnten wir in kurzer Zeit absuchen und freigeben, was uns einige Bonuspunkte einbrachte. Die gesuchte Person konnten wir finden und auch mit einem zweiten Hund ihren Aufenthaltsort bestätigen.

Beim Rückkehr in das Camp war es bereits 21 Uhr, dunkel und wir und die Hunde seit 15 Stunden im Einsatz.

Eine längere Pause war uns nicht vergönnt, da der Base Manager mit den Worten „20 Minuten Transporter 7“ auf uns zu kam.

Der Bus brachte uns zum gefühlt entlegensten Bereich des Umlandes. Hier wurden wir mit dem Aushändigen einer ungenauen Karte, Koordinaten und den Worten „20 Minuten, Zeit läuft“ ausgesetzt.

Der darauffolgende Orientierungsmarsch führte uns wieder in den Wald, wobei auf einer Strecke von ca. 1,5 Km 300 Höhenmeter zu bewältigen waren. Trotz eines sehr steilen und steinigen Weges konnten wir vor Ablauf der Zeit an der Einsatzabschnittsleitung eintreffen, was den Hunden und uns eine kurze Verschnaufpause einbrachte.

Am Suchgebiet angekommen, wurden wir über das abzusuchende Gebiet informiert:  Wegesuche auf eine Länge von 1000m und 50m rechts und links des Weges. An den Moment als uns der Gebietsleiter darüber informierte, dass während der Suche geschossen wird um Bären fern zu halten, werden wir uns wohl alle genau erinnern. Leider konnten wir in diesem Gebiet niemand finden. Dies war unser letzter Einsatz der Übung und mit insgesamt 7 gefundenen Personen zweifelten wir stark daran das die angepeilte 70% Wertung erreicht wurde. Dies hätte bedeutet, dass wir unsere Einsatzfähigkeit im Ausland nicht bestätigt hätten.

Nach einer kurzen Besprechung und einem gemeinsamen Essen innerhalb unseres Teams, konnten wir und die Hunde schlafen und uns von dem ereignisreichen Tag erholen.

Am Sonntag wurde nach Abbau der Zelte die Siegerehrung und Auflösung durchgeführt. Als bekannt gegeben wurde, dass es insgesamt nur 10 Personen zu finden gab und wir somit unser Ziel erreicht hatten, bekamen doch einige von uns glasige Augen.

Insgesamt konnten wir von 22 angetretenen Teams den 10 Platz erringen. Für uns, mit 2 Hundeführern die bisher noch nicht an dieser Übung teilgenommen hatten, ein großartiges Ergebnis auf das wir sehr stolz sind.

Gut gelaunt traten wir somit unsere Heimreise an und hoffen bei der  22st. International Rescue Dog Exercise wieder dabei sein zu können.

Bedanken möchten wir uns bei:

DVRPS für die Ausrichtung und Organisation der Übung

Den Katastrophenschutzbehörden der Stadt Ljubljana

Der DRK Bereitschaft Neuffen für die Bereitstellung des Zeltes

Carsten Holzer für die Vorbereitung im Bereich Klettern und Abseilen

Unseren Ausbildern, die mit jedem, in der Ausbildung, gegebenem Ratschlag Recht behalten haben

Und last but not least unseren Kameraden der RHB Nürtingen-Kirchheim/Teck für das Mitfiebern und Daumen drücken.